Altenpflegeheim – die Kostenfalle für Senioren

Altenpflegeheim – die Kostenfalle für Senioren

Lücke zwischen Pflegeversicherung und Heimkosten klafft immer weiter auseinander

Auch dank der modernen Medizin werden die Menschen in Deutschland immer älter. Doch was geschieht, wenn ein alter Mensch nicht mehr alleine zurecht kommt und eine Versorgung in der Familie nicht möglich ist?

Im besten Fall bietet sich eine Wohnung für betreutes Wohnen oder eine Senioren-WG an. Meistens aber zieht ein Senior in ein Altenpflegeheim. Ab dem Augenblick des Einzugs in ein, umgangssprachlich genanntes Altenheim ist Omas Häuschen in akuter Gefahr. Denn von da an tickt die Kostenuhr. Unaufhörlich gesellt sich Euro zu Euro auf der Sollseite des Neu-Bewohners. Das führt in vielen Fällen dazu, dass Eigentum, ganz gleich ob Immobilien oder Geldvermögen, sich quasi in Luft auflösen.

Ein Beispiel:
Erna B. ist 85 Jahre alt, seit vier Jahren Witwe und durch einen Sturz mit Oberschenkelhalsbruch an den Rollstuhl gefesselt. Das Gehen will einfach nicht mehr funktionieren. Die Kinder Frank (59) und Iris (57) wohnen rund 250 Kilometer entfernt. Sie können sich nur ganz wenig um ihre Mutter kümmern.
Eines Tages erhält Frank B. einen Anruf vom ambulanten Pflegedienst, dass seine Mutter nicht mehr alleine in ihrem Haus zurecht kommt. Sie müsse ganztägig versorgt und betreut werden.
Da Erna B. weder zur Tochter noch zum Sohn in das 250 Kilometer entfernte Bielefeld* ziehen mag, bleibt als einzige Alternative ein Altenpflegeheim in ihrem Wohnort.

Dort ist auch ein Zimmerchen auf einer Station frei, so dass sich Erna kurzfristig dort wiederfindet. Vom Einzug an ist Erna B. wirklich gut versorgt, da sie in einem nachgewiesen guten Haus untergekommen ist.

Schattenseite: Kosten

Doch das Ganze hat eine Schattenseite. Die Kosten.
Erna hat eine ganz gute Rente und bekommt rund 1.800 Euro monatlich. Aber. Das Heim kostet 4.300 Euro im Monat und ist dabei noch nicht einmal eine hochwertige Einrichtung. “Aber ich habe ja die Pflegeversicherung” ,denkt sich die Seniorin. “Mit meinem Pflegegrad vier, den mir meine Krankenkasse nach drei Monaten Wartezeit bewilligt hat, komme ich schon hin”.

Weit gefehlt. Denn in Summe erreichen Erna’s Rente (1.800€) und das Pflegegeld (1.775€) gerade einmal 3.575 Euro. Da klafft eine Lücke von nahezu 1.000 Euro. Pro Monat wohlgemerkt. Bei höchstem Pflegegrad fünf (2.005€) sieht das auch nicht bedeutend besser aus.

“Na ja, wozu gibt es das Sozialamt”, sagt Erna zu ihrer alten Freundin Annegret, als diese sie besuchen kommt.

Und wieder: weit gefehlt. Denn das Sozialamt fragt den finanziellen Hintergrund einschließlich der Bankvorgänge der letzten zehn Jahre, ab. Im Ablehnungsbescheid fordert der Staat vielmehr die Rückzahlung der Geldgeschenke an Erna’s Kinder. Frank und Iris haben in den Jahren zuvor zu Weihnachten jeder 1.000 Euro von ihrer Mutter geschenkt bekommen. Das sind 2.000 Euro im Jahr mal zehn Jahre. Summa summarum 20.000 Euro, die das Sozialamt von den Kindern zurückfordert. Sollte das Geld aufgebraucht sein, wird das Haus von Erna B., das sie mit ihrem verstorbenen Mann erbaut hat, verkauft werden müssen.

*die Bielefeldverschwörung bei Wikipedia





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