Darum kam es zum frühen Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Russland

Statt sich auf die ehrliche Suche nach den Ursachen für dieses peinliche Ausscheiden bei der WM in Russland zu machen, hat man sich in Fußball-Deutschland für ein „Weiter-So“ entschieden. Da sollen die Hauptverantwortlichen dieser Lachnummer die analytische Aufarbeitung betreiben und daraus ihre Schlüsse für Veränderungen finden. Dies ist gleichbedeutend mit dem Schüler, dessen Klassenarbeit mit „sechs“ bewertet wurde und der nun herausfinden soll, was da alles schiefgelaufen ist. Sind wir doch mal ehrlich. Wie groß ist die Chance, dass dieser Schüler eine objektive und schonungslose Bewertung seiner Arbeit vorlegen wird?

Gut, ich denke mal, dass jeder von uns ähnlich reagieren würde. Warum das im Millionengeschäft „Fußball“ aber genauso praktiziert wird? Da fehlt mir das Verständnis.

Vielleicht hat man aber auch seitens des DFB einfach Angst, wieder keinen namhaften Trainer zu finden. Schließlich hatte es nach dem Rücktritt von Jürgen Klinsmann zunächst nur Absagen gehagelt. Bis letztlich Joachim Löw als x-te Wahl den Zuschlag bekam.

Doch warum ist es überhaupt zu diesem Dilemma gekommen?

Ich denke, dass es viele Gründe gibt, die das Ausscheiden zur Folge hatten. „Mir habbe net gut gespielt. Abba mir habbe viele Erkänntnische ausch dem miesen Spiel gezoge…“ Solche und ähnliche Aussagen bekam der treue DFB-Zuschauer nach jedem Freundschaftsspiel zu hören. Aber ernsthaft. Warum trickst und versucht man in nahezu allen Spielen der Nationalmannschaft, die keine Pflichtspiele sind? Ganz davon abgesehen, dass man den Fans, die teure Eintrittskarten bezahlt haben, eine ordentliche Frechheit vorspielt. Das ist an Arroganz kaum zu überbieten. „The best never rest“ – der Sinnspruch aus dem Bierhoff-Kader wurde in fast jedem Freundschaftsspiel ad absurdum geführt. Denn wie „the best“ haben die Jungs aus „die Mannschaft“ nach dem WM-Finale 2014 selten gespielt. Und jedes Mal gab es Erklärungen, warum das Spiel „etwas holprig“ war – „die lange Saison“ – „der Beginn der Saison“ – „man muss sich erst finden“ – „der Gegner war aber auch gut“ – „wenn es darauf ankommt, dann sind wir da“. Dies waren die Plattitüden, die Mantra-artig nach jedem müden Kick bemüht wurden.

Aber in 2018 waren sie nicht da, als es darauf ankam.

Wissen Sie, was mir am Tag des Ausscheidens besonders negativ aufgefallen ist? Nach Abpfiff des Spiels standen alle Spieler mit hängenden Köpfen auf dem Spielfeld. Da hätte es wahrer Größe eines Bundestrainers bedurft. In diesem Augenblick hätte ein Mann mit Führungsanspruch seinen Frust beiseite gepackt und wäre zu seinen Spielern auf den Platz gegangen. Er hätte versucht, sie zu trösten und ihnen diese Niederlage etwas erträglicher zu gestalten. Doch was tat ein gewisser Herr Löw? Wie ein beleidigtes Kind drehte er sich um und verließ die Coachingzone in Richtung Kabinen. In diesem Augenblick hat der Bundestrainer seine Mannschaft im Stich gelassen. Ja man ist versucht zu sagen, dass er sein Team verraten hat.

Und die Spieler? Was sagen die Spieler zu der blamablen Vorstellung? Eigentlich sind nur wenige Kommentare zu hören gewesen. Da drängt sich einem der Eindruck auf, dass man ganz schnell in den Urlaub wollte. Unangenehmen Fragen auswich. Vielleicht von der Hoffnung getragen, dass in der neuen Saison genug Gras über die WM gewachsen sein würde. Dann könne man mit gleichem Personal in die neue Spielzeit starten. Oder wie erklärt es sich sonst, dass nicht ein einziger der hochbezahlten Kicker seinen Rücktritt aus der Nationalelf bekanntgegeben hat?

Wo waren eigentlich die Confed-Sieger? Der Confed-Cup scheint nur ein zweitklassiges Turnier zu sein, zu dem man eine vermeintliche B-Mannschaft schickt. Doch wo sind die Erkenntnisse aus diesem Wettbewerb geblieben? Sie wurden nicht beachtet, weil das bedeutet hätte, „verdiente“ Spieler aus dem Kader durch junge unverbrauchte Talente zu ersetzen. Da hätte das Prinzip Leistung gegolten. Aber man´zieht seine Erkenntnisse lieber aus den Testspielen wie dem gegen Saudi-Arabien. Solche Spiele sind ja auch aussagekräftiger als das Confed-Finale. Die erfolgreichen Spieler des Confed-Cups, die teilweise einen begeisternden Fußball spielten, lässt man dann am TV zuhause. Stattdessen werden die Spieler der Weltmeistermannschaft 2014 bevorzugt, obwohl deren Leistungen im Vorfeld alles andere als überragend waren. Getreu dem Motto “es ist schon immer gut gegangen”.

Und mit diesem Wissen starten wir nun alle in die neue Spielzeit. Verlieren ziemlich sicher das erste Pflichtspiel gegen den neuen und verdienten Weltmeister Frankreich. Der Grund für diese erneute Niederlage liegt dann aber nicht bei Joachim Löw, seinem Mega-Trainer-Stab und den verdienten Spieler, sondern sicher an der Tatsache, dass die Saison noch ganz am Anfang steht. So früh in einer Spielzeit kann man noch nicht fit und eingespielt sein.

In Deutschland gibt es bei jeder WM oder EM rund 60 Millionen Trainer und jeder dieser Fachleute kann und weiß es besser. Dieses Phänomen ist hinlänglich bekannt. Doch manchmal sollte man auf die öffentliche Meinung achten. Sofern diese im Elfenbeinturm namens „DFB“ ankommen sollte.


 

 

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