Depression – ein unsichtbares Monster

Depression – ein unsichtbares Monster

Keine Lust zu nix

Depression – die Diagnose ist so vielseitig wie die Erkrankung und ihre Symptome an sich. Unter Depression haben Mediziner, Therapeuten, Patienten, Angehörige und Außenstehende unterschiedliche Krankheitsbilder.

In diesem Beitrag möchte ich mich auf die Sicht der Betroffenen und deren nächsten Angehörigen beschränken. Zu medizinischen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Fakten können Sie im Netz ausreichend und vor allem bessere Informationen finden*.

Was ist eine Depression?

Die Fragen, was denn eine Depression überhaupt ist und wie sich diese äußert, sind die ersten, die man hört, wenn die Diagnose Depression gestellt wurde. “Du siehst doch ganz gesund/normal aus”, diesen Satz hört man häufig. Als wenn sich eine Depression so einfach an Äußerlichkeiten erkennen ließe.
Nein, eine Depression ist diffiziler. Zunächst zeigt sie sich und ihre hässliche Fratze nicht. Sie braucht Zeit, manchmal viele Jahre oder gar Jahrzehnte, um sich so richtig gut zu entwickeln. Sie saugt den Wirt, den Menschen, den sie befallen hat, so allmählich aus. Zu Anfang nur hin und wieder ein paar Tropfen Energie. Aber im Laufe der Zeit immer mehr und in immer kürzeren Abständen. So tankt sie Kraft und kann sich so zu dem entwickeln, das die Betroffenen nur allzu leidvoll erleben müssen.

Das Monster Depression

Sie lesen richtig. Die Depression ist ein Monster, das die Betroffenen im schlimmsten Fall vollkommen beeinflussen, ja sogar lähmen kann. So wie eine Spinne, die ihre Opfer fängt und sie im Anschluss aussaugt. Die Depression übernimmt zunächst unmerklich, später aber auch für die nächsten Angehörigen sichtbar, von der erkrankten Person Besitz. “Du bist gar nicht mehr Du selbst”, das ist ein Satz, den viele Erkrankte mindestens ein Mal zu hören bekommen. “Ja, ich bin auch nicht ich selbst”, das sagen die Starken oder diejenigen, die gelernt haben, mit Ihrer ganz persönlichen Depression umzugehen. Die meisten aber ziehen ihren Kopf noch weiter zwischen die Schultern und nehmen das Gesagte hin, ohne darauf zu reagieren.

Viele Betroffene wissen zunächst gar nicht, was ‘mit ihnen nicht stimmt’.
Paul bekommt während der Autofahrt plötzlich Herzrasen und hat kalten Schweiß auf der Stirn.
Karl hat mit einem Mal alle Symptome eines Herzinfarktes. Aber weder Paul noch Karl sind physisch krank.
Und Elke, die immer lustige junge Frau, ist plötzlich nur noch in sich gekehrt und beginnt bei jeder Kleinigkeit zu weinen.
Björn fühlt sich nur noch schwach und kraftlos. Früher konnte er sechzehn Stunden am Tag arbeiten. Heute muss er sich schon zu den acht Stunden zwingen.
Ines kann nachts nicht mehr schlafen. Schon beim Einschlafen beginnt der Kopf mit seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Grübeln. Und wenn sie dann endlich eingeschlafen ist, dann wird sie kurz später wieder wach und das Grübeln beginnt erneut.
Den Uwe hat es besonders schlimm erwischt, er klagt ständig über unerträgliche Kopfschmerzen und starke Rückenbeschwerden. “Organisch fehlt Ihnen nichts”, hat der behandelnde Arzt mit ratlosem Blick zu ihm gesagt.

Dies alles sind Symptome einer Depression, die so oder so ähnlich, einzeln oder mehrere gleichzeitig, auftreten können. Es können aber auch noch ganz andere Beschwerden hinzukommen, was die Diagnose einer Depression so schwer macht. Und den Erkrankten sehr schnell in die Ecke des Hypochonders oder Drückebergers drängen.

Eine an einer Depression erkrankte Person ist kein Simulant

Eine Depression ist eine schwerwiegende Erkrankung, die je nach Ausprägung (leicht, mittelschwer oder schwer) eine unterschiedlich aufwendige Behandlung erfordert. Eine langfristige Behandlung mit entsprechend langer Arbeitsunfähigkeit bis hin zur Erwerbsminderungsrente sind nicht selten die Folge einer Depression mittlerer oder schwer Art.
Eine Depression ist weitaus schwerer als eine depressive Verstimmung, in die manche verfallen, weil ihr heißgeliebter Fußballverein abgestiegen ist oder die Freundin einen anderen auserkoren hat. Eine Depression hat auch nichts mit dem so genannten ‘Winterblues’ gemein. Der Winterblues ist ebenfalls lediglich eine Verstimmung, verursacht durch den Mangel an Sonnenlicht und die Kälte im Winter. Beides kann aber eine existierende Depression noch verstärken. Daher fühlen sich viele Erkrankte im Winter noch “schlechter drauf” als ohnehin schon.

Woher kommt eine Depression?

Die Ursachen einer Depression sind vielfältig. Manche Menschen arbeiten zu viel und stehen ständig unter Stress. Andere müssen schwere Verluste hinnehmen, weil liebe Menschen aus ihrem Umfeld gestorben sind oder es ihnen finanziell schlecht geht. Wieder andere haben in ihrer Kindheit Schlimmes erlebt. Von Vernachlässigung bis hin zum Missbrauch. Wieder andere sind Opfer eines Verbrechens. Oder oder oder.
Allen aber gemeinsam ist, dass die an einer Depression erkrankten Personen weder Irre noch Spinner sind. Es sind ganz einfach kranke Menschen. So wie jeder andere auch, der hohen Blutdruck oder ein gebrochenes Bein hat. Und diese Menschen brauchen genauso die Hilfe von Medizinern und Mitmenschen, um ihre Erkrankung zu überwinden oder aber zumindest mit ihr leben zu können.

Leider ist die Akzeptanz in unserer Gesellschaft nicht so groß

In der heutigen Gesellschaft ist der an einer Depression Erkrankte oftmals noch ein ‘Spinner’, ‘Weichei’ oder ‘gar nicht richtig krank’. “Der will ja nur Rente. Dabei hat er erst 25 Jahre gearbeitet und nur am Schreibtisch gesessen”. Das sind die landläufigen Äußerungen, die man so zum Thema Depression zu hören bekommt.
Da zeigt sich, wie engstirnig, ignorant und uninformiert unsere Gesellschaft ist, in der ein kaputter Rücken wegen schwerer körperlicher Arbeit viel mehr wiegt als eine schwere Depression, die ebenfalls durch den Job verursacht, den Betroffenen krank und arbeitsunfähig gemacht hat.
Und wenn dann Ämter, Behörden und im Speziellen die Krankenkassen genauso wenig Verständnis und Wissen über die Krankheit Depression aufbringen. Dann, ja dann, kann es mit der Besserung oder gar einer Heilung doch etwas länger dauern.

Ganz besonders mit Hinblick auf die Tatsache, dass es in vielen Gebieten Deutschlands viel zu wenig Psychotherapeuten und Psychiater gibt. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden wahnsinnige Zahnschmerzen haben und Ihr Zahnarzt sowie alle 25 in Ihrer Nähe ansässigen Kollegen würden Sie auf nächstes Jahr vertrösten, Ihre Ansage auf dem Anrufbeantworter unbeantwortet lassen oder Sie direkt mit dem Satz”Wir haben keine freien Plätze, sorry” abwimmeln.

Das können Sie sich nicht vorstellen? Das ist aber für sehr viele an einer Depression erkrankten Menschen real. Krank und auf sich allein gestellt. Vielleicht noch mit ein paar Anti-Depressiva versorgt, aber sonst allein gelassen. Das ist der Alltag viele depressiv erkrankten Mitmenschen.

*Weitergehende Informationen finden Sie u.a.






 

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