Erbrecht – so werden Grundstücke zu Kuchenstückchen

Erbrecht – so werden Grundstücke zu Kuchenstückchen

Oder wie ein letzter Wille zunichte gemacht wird

Das Erbrecht in Deutschland sieht im Grunde zwei Varianten der Vererbung vor.

Die Version des Testaments ist eine einfache, manchmal etwas knifflige, aber dennoch sichere Form der Übergabe von Eigentum an die Nachfahren oder andere ausgewählte Begünstigte. So, wie es das Testament eben vorsieht, wird der letzte Wille, der am besten beim Notar oder Rechtsanwalt formuliert und hinterlegt wurde, umgesetzt. So ist sichergestellt, dass die Person oder Personen das bekommen, was der Erblasser ihnen bei Lebzeiten zugedacht hat.

Anders sieht die Sache aus, wenn kein Testament existiert. In diesem Fall tritt die gesetzliche Erbfolge ein, die gerne auch mal den eigentlichen letzten Willen des Verstorbenen ignoriert.

Ein Beispiel:
Albert P. hat zwei leibliche Kinder und kauft kurz nach Kriegsende ein kleines, sagen wir mal ein 1.000 m² großes Grundstück zur Kapitalanlage und späteren Weitergabe an seine Kinder Anton und Erika. Nach Jahren verstirbt Alberts Frau. Nach einigen Jahren als Witwer heiratet er dann erneut. Viktoria ist seine auserwählte zweite Ehefrau. Diese bringt ein erwachsenes Kind mit in diese Ehe mit Albert. Dann sterben nacheinander Albert und Viktoria.

Zurückbleiben die beiden Kinder von Albert, Anton und Erika, sowie Heinrich, der Sohn von Viktoria und der Stiefsohn von Albert.

Dann heiraten im Laufe der Zeit aller Kinder. Während Anton ein Kind (Ulrike) und Erika zwei Kinder hat, bleibt die Ehe von Heinrich kinderlos.
Plötzlich und viel zu jung stirbt Erika. Sie hinterlässt ihren Ehemann Jürgen und die beiden Söhne Udo und Uwe. Im Zuge einer Flurbereinigung kommt es dann zu einer Neuordnung des Grundstücks. Diese sah wie folgt aus:

  • Anton – 250 m²
  • Erika – 250 m²
    Jürgen – 125 m²
    Udo – 62,5 m²
    Uwe – 62,5 m²
  • Heinrich – 500 m²

So geht gegen den letzten Willen von Albert die Hälfte des Grundstücks an seinen nicht leiblichen Stiefsohn, während sich sein Sohn, seine beiden Enkel und sein Schwiegersohn mit der anderen Hälfte begnügen dürfen.

Doch es kommt noch besser. Anton, Alberts leiblicher Sohn, heiratet nach dem Tod seiner ersten Frau ein zweites Mal. Und diese zweite Ehefrau hat drei erwachsene Kinder. Dann kommt es wie es kommen muss und auch Anton stirbt. Sein Grundstücksanteil von 250 m² geht gemäß Testament zu 50% an seine Tochter und zu 50% an seine zweite Ehefrau, die kurz darauf ebenfalls verstirbt und ihre 125 m² Quadratmeter an ihre drei Kinder vermacht.

Dies hat zur Folge, dass von ursprünglich 1.000 Quadratmetern für die leiblichen Nachfahren gerade einmal 250 m² übrig bleiben. Das Großteil von 750 m² geht an fremde Familien.

Bilden Sie sich selbst ein Urteil, ob dieser Fall gerecht ist und ob Sie vielleicht Ähnliches vermeiden möchten.

Nehmen Sie sich die Zeit und setzen Sie ein Testament auf

So erreichen Sie, dass jeder das bekommt, was er auch bekommen soll.






 

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