Faire Preise für Lebensmittel – ein weiterer Gipfel

Wieder ein Gipfel bei Frau Merkel

Heute fand der nächste Gipfel bei Frau Merkel statt. Diese Mal ging es nach Waldgipfel, Energiegipfel, Klimagipfel und Was-weiß-ich-Gipfel um faire Preise für die Lieferanten von Lebensmitteln. Vornehmlich gemeint waren aber nur die Landwirte, die sich in den vergangenen Wochen lautstark und verkehrstechnisch sehr störend über Einkommensverluste und die Untätigkeit der Bundesregierung bezüglich ihrer Belange äußerten. Frau Merkel tut das, was sie in Momenten, in denen sie nicht weiß, was sie tun soll, immer tut. Sie lädt zu einem Gipfel im Kanzleramt.   

Ganz im Sinne des Mottos ‘…und wenn ich mal nicht weiter weiß, dann bild’ ich einen Arbeitskreis’ wurden auch dieses Mal flugs alle wichtigen Beteiligten eingeladen. Und wie nach unzähligen Gipfeln zuvor, gab es wortreiche Absichtserklärungen. Sollen wir wetten, dass auch dieses Mal wieder nichts Vernünftiges oder bestenfalls der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden wird? Das im Übrigen erst nach weiteren Gipfeln im Kanzleramt, der Residenz von Frau M.





Doch wo liegt eigentlich das Problem?

Nun, die Landwirte sehen sich und ihren Berufsstand durch die Preisdiktate der Handelsketten und die neuesten zur Diskussion stehenden Umweltschutzauflagen in arger Existenznot. 
Es ist aber auch gemein von der Politik, Verbote gegen das kubikmeterweise Ausbringen von Gülle anzudrohen. Es soll ja sogar Politiker geben, die die Verwendung von Pflanzenschutzmittel reglementieren wollen. Oder noch schlimmer: Das sinnlose Töten von männlichen Küken soll verboten werden. Ganz zu schweigen von der Massentierhaltung und dem Versuch, Tiere artgerecht zu halten.
Ne, ne, ne! Das geht ja gar nicht. Zumindest nicht auf dem Rücken der Landwirte. 

Wobei…mit dem letzten Satz, könnten die Damen und Herren aus der Agrarbranche sogar recht haben. Artgerechte Haltung, umweltbewusster Anbau von Lebensmitteln und der Verzicht von Antibiotika in der Tierhaltung, um nur drei Stichworte zu nennen, können nicht ausschließlich durch die Erzeuger realisiert werden. 

Da bedarf es eines Umdenkens

Lebensmittel sind per Definition ‘Substanzen, die konsumiert werden, um den menschlichen Körper zu ernähren.’*
Und was tun wir in Deutschland? Gut, nicht wir alle, aber schon die Mehrheit. Richtig. Wir kaufen Billig-Lebensmittel ein, mit denen wir dann unseren Körper ernähren. Wir tanken also, bildlich gesehen, an der Billigtanke und kaufen Öl sowie Scheibenwischer beim Discounter oder gebraucht auf dem Schrottplatz. 

Das ist die Mentalität hinsichtlich unserer Ernährung, sprich der Versorgung unserer Körper mit Treib- und Schmierstoffen, in Deutschland. 
Die Meisten kaufen doch lieber mit Gasen versehenes und unter Schutzatmosphäre verpacktes Rinderhack für 1,99 Euro je 500g-Packung (3,98 € je kg)**, statt sich das Pfund Hackfleisch beim Metzger um die Ecke zu besorgen. Gut, beim Metzger Ihres Vertrauens ist das Hackfleisch deutlich teurer. Aber, und dieses ‘Aber’ wiegt schwer: Dieses Metzger-Hackfleisch ist von deutlich besserer Qualität, die Tiere wurden artgerecht gehalten und alle an der Lieferkette Beteiligten wurden fair entlohnt. Das wiederum lässt den Gedankenspielen über die Bedingungen bei der Produktion von Discounter-Artikeln sowie dem fairen Umgang mit Mensch und Tier freie Lauf.

Aber arme Menschen können sich das nicht leisten

Das Argument, dass sich Menschen an der unteren Einkommensgrenze solch teuren Lebensmittel nicht leisten können, folgt auf dem Fuß. Aber genau da liegt das eigentliche Problem. Und daran versucht sich keiner aus dem Gipfelumfeld. 

Denn, dass es Personengruppen in Deutschland gibt, die sich höherwertige und damit teuere Lebensmittel nicht leisten können, liegt in erster Linie an der verfehlten Bundespolitik. 
Oder wer verantwortet etwa 

  1. die Hartz-IV-Sätze (432 Euro)
  2. den Mindestlohn von 9,19 Euro
  3. die Rentenhöhe (Platz 18 hinter Griechenland)
  4. die weltweit zweithöchsten Steuern und Abgaben?

Daran krankt unser System.

Doch es gibt nicht nur arme Menschen

Es gibt aber auch genug Menschen, die sich aufgrund ihres Einkommens locker den Besuch beim örtlichen Metzger leisten könnten, aber dennoch beim Discounter einkaufen. Das ist leider diese ‘Geiz ist geil’-Mentalität beim Einkauf von Lebensmitteln. Denken Sie bei Ihrem nächsten Einkauf bei Aldi, Lidl und Co. beim Griff in die Fleischtheke doch mal an Schweine in der Massentierhaltung, denen nur einen Quadratmeter Platz zur Verfügung steht. Rufen Sie sich Tausende von Hühnern in Ställen vor Augen, denen reihenweise Antibiotika gespritzt werden. Antibiotika, die Ihnen vielleicht nicht mehr helfen können, weil die Viren resistent dagegen geworden sind. Oder denken Sie an einen Bullen von 600 kg Lebendgewicht, dem nur 3,5 Quadratmeter Stallfläche zur Verfügung stehen; der Ihnen aber dennoch Ihr Aldi-Steak liefert.

Faire Preise für Lebensmittel
Das ist der “Lieferant” für Billigfleisch beim Discounter.

Ich möchte nicht alles schlecht reden. Aber einfach nur einen Denkanstoß geben, auch einmal nach links und rechts zu schauen und nicht nur den eigenen  Vorteil zu sehen.

Vergleichen Sie ein Schnitzel vom Discounter mit dem eines Metzgers. Ziehen Sie den Vergleich zwischen dem Fleisch einer armen Sau und dem eines Tieres, das das Schwein hatte, auf einem Bio-Hof gelebt zu haben.

Kuh auf Alm
Und so lebt das Tier, dessen Fleisch beim Metzger etwas teurer ist als beim Discounter. Eben kein ‘Aldi-Preis’

 

 

Sie werden den Unterschied schmecken und die Tiere würden es Ihnen danken, wenn sie könnten.

*Quelle: Wikipedia
** aktueller Aldi-Preis in der Woche 03.02.2020 bis 08.02.2020

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