Knappschaft – ein Erfahrungsbericht

Knappschaft Krankenversicherung

Meine Erfahrungen mit dieser Krankenkasse. Ehrlich und tatsächlich so erlebt.

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Erfahrungen mit der Knappschaft Kranken- und Pflegeversicherung

Unser Gesundheitssystem

– Dass unser Gesundheitssystem vorwiegend nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen arbeitet, ist hinlänglich bekannt. So bleibt es nicht aus, dass der Mensch, der eigentlich im Mittelpunkt steht sollte, nur noch als Kostenfaktor gesehen wird und das System der Gesundheitsversorgung und der Pflege jährlich Milliardenbeträge verbraucht. Wobei der Großteil der aufgewendeten Mittel bei den Unternehmen der Pflege, der Pharmaindustrie und den Sanitätshäusern hängenbleibt, während der Sparstift bei den Medizinern und besonders den Patienten angesetzt wird. Gleichzeitig erlauben wir uns das Privileg, die Gutverdienenden, Selbständigen, Beamten und die Bundestagsabgeordneten (diese möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben) aus unserem Sozialsystem ausscheiden zu lassen.
An dieser Thematik haben sich seit 50 Jahren diverse Bundesgesundheitsminister mal ernsthaft, mal nur halbherzig versucht. Keiner der Damen und Herren der Vergangenheit, der Gegenwart und ich befürchte auch der Zukunft, wird die Lust, den Mumm und das Rückrat besitzen, das marode Gesundheitssystem zu reformieren.
In diesem Zusammenhang stelle ich auch gerne die Notwendigkeit von 109 Krankenkassen in Deutschland (Stand: 01.01.2019) infrage. Denn das sind 109 Krankenkassen, die den angeblichen Vorteil der Konkurrenz untereinander nicht wirklich erfüllen können. Schließlich sind deren Angebote und Beiträge gesetzlich verordnet viel zu ähnlich, um wahre Konkurrenz zu ermöglichen. Das Einzige, was die 109 gesetzliche Kassen produzieren, sind 109 Vorstände und Geschäftsführer, 109 Verwaltungen, x-Geschäftsstellen (oftmals im gleichen Ort) und ein überbordender Bürokratismus.

Die Knappschaft – eine Krankenversicherung

Aus alter Verbundenheit und weil sie eigentlich einen guten Ruf hatte, war ich nahezu zwanzig Jahre Mitglied bei der Knappschaftlichen Krankenversicherung. Solange ich nur ein paar Mal zum Hausarzt ging und monatlich meine Pflichtbeiträge durch meinem langjährigen Arbeitgeber überwiesen wurden, konnte ich auch zufrieden sein. Die regelmäßig via Hochglanz-Flyer eintrudelnde Aufforderung zur Mitgliederwerbung lernte ich mit der Zeit, im noch verschlossenen Umschlag zu erkennen und direkt ins Altpapier zu geben.

Doch wie das so ist, und das ist das Doofe für die Krankenversicherer, wird der Mensch gelegentlich auch einmal krank. Nicht, dass man das absichtlich machen würde oder gar der Kasse schaden wolle. Nein, es passiert einfach so und man wird krank. Das geschah es auch mir. Dumm nur, dass ich mich gut krankenversichert fühlte und auch noch an das Gute im Menschen glaubte.

Vorwegnehmend kann ich sagen: Nicht trotz, sondern wegen der Knappschaft noch kranker

Es begann damit, dass ich länger als die Lohnfortzahlung dauert, arbeitsunfähig war. Von diesem Zeitpunkt an wurde es unangenehm. Völlig unerwartet, weil absolut unerfahren in diesen Dingen, war ich in die Fänge der Sachbearbeiter und denen des Medizinischen Dienstes (MDK*) der Knappschaft geraten.

Vor Beginn des Krankengeldbezuges bekam ich einen Antrag auf Krankengeld zugesendet. “Die sind aber fix und denken mit”, dachte ich noch so. Auf den Bewilligungs-Bescheid folgte eine Korrektur desselben. Darauf eine Korrekturschreiben ohne Angaben, also ein faktisch leerer Briefbogen.
Die Reha wurde durch den Rentenversicherungsträger genehmigt und ich bekam von der Knappschaft einige Anschreiben (Ankündigung, Bescheid zur Unterschrift, Bescheid nach Unterschrift) zum ‘Dispositionsrecht’, bzw zur Einschränkung des ‘Dispositionsrecht’. Kennen Sie eigentlich dieses ‘Dispositionsrecht’? aus der Vielzahl der Anschreiben ging hervor, dass ich die Reha-Maßnahme, für die ja von der Rentenversicherung Übergangsgeld gezahlt würde, nicht eigenmächtig abbrechen, verkürzen, verlängern oder eine andere Klinik auswählen dürfe. Und falls doch, dann nur nach Rücksprache und mit Genehmigung eines Sachbearbeiters der Knappschaft. Ich fühlte mich zunächst in meinen Grundrechten beschnitten. Ganz besonders, wenn man den juristisch abgesicherten Schreibstil, in dem diese Schreiben verfasst wurden und werden, betrachtet. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber an diesen Tonfall und ich heute steigt mein Blutdruck nur noch selten, wenn ich mal wieder eines dieser Schriftstücke in Händen halten muss.

Dennoch habe ich mittlerweile ich schon Magendrücken, wenn dieser Schnecken-Postdienst namens Postcon mal wieder einen Brief in unseren Briefkasten wirft. Denn meistens ist es ein Briefumschlag mit dem Schriftzug Logo Knappschaft weiße Schrift auf rotem Grundsearch?q=Knappschaft&sa=X&rlz=1C1CHBF deDE754DE754&stick=H4sIAAAAAAAAAONgecSYxS3w8sc9YanESWtOXmOM5uIKzsgvd80rySypFNLiYoOyFLj4pbj10 UNjQyyLMzT0zUYpHi5kAWUFI1Ed12ado6NX B3IOfOqI9BDlIMWkwcDE37VhxiY FgFGDgWcTK7Z2XWFBQnJyRmFYCACCLUeJ9AAAA&biw=1536&bih=674&tbm=isch&source=iu&ictx=1&fir=K1eHZI8y17 1vM%253A%252C6I1lC8ytCoJKqM%252C%252Fg%252F120j87gg&vet=1&usg=AI4  kQEmfWuZnBN0HSRhRL1kw2mbR6Dug&ved=2ahUKEwiG652JzcTmAhXOhqQKHbH3AUAQ B0wFHoECAYQAw#imgrc=K1eHZI8y17 1vM: und der bedeutet selten Gutes.

So auch der Schrieb nach der Reha, aus der ich vermeintlich als arbeitsfähig entlassen wurde. Entweder gehört Lesen nicht zu den Vorlieben der zuständigen Sachbearbeiterin oder sie wollte an mir ein Exempel statuieren. Vielleicht hatte sie aber auch einfach nur einen unbefriedigenden Vorabend. Auf jeden Fall unterließ  sie es, den Entlassbericht der Reha-Einrichtung (in der ihr vorliegenden Kurzform immerhin 1,5 DIN A4 Seiten lang) vollständig zu lesen und sogar noch zu verstehen. So stellte die Krankenkasse aufgrund der medizinisch hochqualifizierten Sachbearbeiter-Entscheidung die Zahlung von Krankengeld ein. Gegen diesen Bescheid könne ich selbstverständlich Widerspruch einlegen.

Nur wie? Telefonisch – keiner erreichbar, EMail (weil, es soll ja schnell gehen) – keine Antwort. Ignoriert man mal die automatisch versendete Eingangsbestätigung, in der man mitteilt, dass man sich schnellstmöglich um das Anliegen kümmern werde.
Bleibt also nur der Brief. Bereits nach etwas mehr als zwei Wochen erhielt ich eine Antwort. Schnell auf dem Boden der Tatsachen musste ich leider den enttäuschenden Hinweis lesen, dass der Widerspruch eingegangen sei und dass ich mich noch etwas gedulden müsse. Ich möchte hier noch einmal anmerken, dass ich zu dieser Zeit keine Bezüge hatte.

Lange Rede – kurzer Sinn. Es hat drei Monate gedauert, bis diese Krankenkasse ihren Fehler korrigiert hat. Kein Wort der Entschuldigung kam über die Lippen der Knappschaft-Mitarbeiter. Lediglich der Hinweis auf den Widerspruchs-Prozess und dass dieser halt etwas dauere. Meiner Ansicht nach fühlte sich in diesem mehrstöckigen Verwaltungsmoloch wirklich keiner zuständig und schon gar nicht verantwortlich für eventuelle Fehler. Ich denke, darüber sollte an verantwortlicher Stelle mal nachgedacht werden. Für mich erfüllt der Umstand, einem Erkrankten das ihm zustehende Krankengeld vorzuenthalten, den Tatbestand der Nötigung oder der Körperverletzung. Vielleicht kann man auch über den Missbrauch von Befugnissen im Amt nachdenken.

Bundesversicherungsamt

Gestatten Sie mir an dieser Stelle noch einen Hinweis zum Bundesversicherungsamt. Diese Einrichtung soll als Aufsichtsbehörde für die gesetzlichen Krankenkassen dienen. Auch ich habe dieses Amt in meiner Not wegen der Zwangssperre meines Krankengeldes angeschrieben. Aber die dort Beschäftigten erfüllen das Klischee des Bundesbeamten in perfekter Manier:
Vier Wochen Wartezeit bis ich eine Eingangsbestätigung erhielt. Nach weiteren vier Monaten bekam ich einen Brief, dass man sich freue, mir mitzuteilen zu können, dass ich mittlerweile ja wieder Krankengeld bekomme. Daher ging man davon aus, dass die Angelegenheit damit erledigt sei. Spätestens an dieser Stelle habe ich aufgegeben, auf staatliche Aufsichtsorgane zu vertrauen. Vielen Dank für nichts. Danke Herr Spahn für Ihre effektive Behörde, die die Aufgabe zu haben scheint, alle Anfragen auszusitzen. Genau wie Ihr Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, das ebenfalls durch Verzögerungen und Aussitzen zu glänzen vermag. Das hat doch etwa nicht Methode?

Der medizinische Dienst (MDK)

Die Termine beim Medizinischen Dienst der Knappschaft habe ich immer wieder gern wahrgenommen. Denn ‘meine Gesundheit läge der Knappschaft am Herzen’ und deshalb würde man sich auch medizinisch fürsorglich um mich kümmern. Man habe schließlich ein hochqualifiziertes Ärzteteam.

Vier Male musste, äh, durfte ich dort vorreiten. Die beiden letzten Besuche waren auf morgens 07:30 Uhr terminiert. Bei einer Anfahrt von ungefähr 45 Minuten zuzüglich einer Viertelstunde zur Sicherheit, bedeutete dies den Start der Anreise um 06:15 Uhr. Aufgrund des ersten Termins am Tag erwartete ich daher zumindest keine Wartezeit. Doch weit gefehlt; denn nach pünktlicher Ankunft um 07:20 Uhr durfte ich bis 09:00 Uhr im bequemen Wartebereich Platz nehmen und den Beschäftigten beim Schlendern über die Flure zuschauen.

UPDATE (16.01.2020): Heute war Begutachtung Nummer 5 angesagt. Besondere Vorkommnisse: Die mich ‘begutachtende’ Allgemeinmedizinerin, deren Namen ich aus Gründen des Datenschutzes nicht nennen möchte, meinte nur, dass der Tod meines ersten Sohnes ja schon viele Jahre her sei und ich mich nicht so anstelle solle.
Solche Aussagen sind in meinen Augen entweder asozial oder vollkommen dumm. Aus welchen  Grund auch immer sie getätigt werden, sind sie einfach nur unpassend und menschenverachtend.

UPDATE (08.02.2020): Wer jetzt glaubt, dass ich heute den Bescheid zur Begutachtung erhalten habe, der irrt. Nichts.

Kontakt per Formular und Email

Grundsätzlich erhält man weder auf Eingaben über das Kontaktformular oder auf Emails eine Antwort. Aussitzen ist auch hier Trumpf. Wenn Sie wirklich schnell etwas erreichen wollen oder gar müssen, fahren Sie am besten in eine Zweigstelle und treten den Mitarbeitern vor Ort auf die Füße. Bei mir hat das leider nicht gewirkt. Die Dame dort war abgebrüht und ließ jeden Anflug von Arbeitsaufforderung an sie einfach so abperlen. “Das machen die in Bergheim”, war ich stoische Antwort.

Wir sind dann mal weg

Zum Jahreswechsel stellen wir unser System auf eine neue, leistungsstarke Software um. Und die bietet alles, was wir brauchen, um Sie ganzheitlich zu versorgen. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: schnellere Sachbearbeitung, mehr Komfort durch digitale Angebote und eine höhere Wirtschaftlichkeit.

Durch die Umstellung ist ab dem 18. Dezember 2019 nur ein eingeschränkter Service möglich – voraussichtlich bis zum 5. Januar 2020. In dieser Zeit können wir nicht vollständig auf Ihre Versichertendaten zugreifen. Bei unaufschiebbaren Anliegen helfen wir aber selbstverständlich sofort. Und zu allgemeinen Fragen beraten wir Sie auch während der Systemumstellung wie gewohnt. (Quelle: Knappschaft.de im Dezember 2019)

Zwei Wochen kein Zugriff auf die Systeme. Da muss der Versicherte noch mehr Geduld haben als üblich. Einfach unglaublich.

Postcon – Schneckentempo im Auftrag der Knappschaft

Leistungsstarke Software? Nun gut, wie wäre es mit einem leistungsstarken und zeitgemäßen Postdienstleister? Oben habe ich bereits erwähnt, dass die Knappschaft ihre Briefpost mit dem Postdienstleister Postcon versendet. So wird es zum Standard, dass Briefe der Knappschaft, auch wenn diese dringend sein sollten, für die Entfernung von 58 Kilometern mal eben vier bis fünf Tage unterwegs sind. Den Vogel schoss ein Umschlag ab, der ganze zwölf Tage bis in meinen Briefkasten benötigte.
“Wir wissen, dass die langsam sind. Postcon ist aber billiger”, war die lapidare Aussage einer Knappschaft-Angestellten zu diesem Thema.

Pflegekasse und Pflegestufe

Ganz dicke kommt es, wenn Sie einen Antrag wegen Verschlimmerung hinsichtlich des Pflege-Grades stellen müssen. Oftmals geht es neben den Beeinträchtigungen der Gesundheit auch um viel Geld. Geld, das die Pflegekasse zur Sicherung der Pflege eines Bedürftigen bereitstellen muss. Im Falle eines Familienangehörigen musste dieser auf eine Begutachtung durch eine äußerst unfreundliche Dame drei Monate lang warten. Dreizehn lange Wochen, in denen der Angehörige für den Pflegedienst in Vorleistung gehen musste. Leider ist Stand heute (28.12.2019) zehn Tage nach der Begutachtung, immer noch keine Ergebnis dieser eingegangen. Von der Überweisung des ihm zustehenden Pflegegeldes kann der Familienangehörige auch nur träumen. Mal schauen, wann sein Konto leer ist.

UPDATE (07.01.2020): Tja, was soll ich sagen? Immer noch nichts! Am 11.09.2019 wurde der Antrag gestellt. Heute am 07.01.2020 ist immer noch kein Bescheid ergangen? Wie lange das noch dauern mag? Heute sagte jemand, dass er nicht glaube, dass die Knappschaft sich noch vor Ostern melden wird. Ich habe trotz allem dagegen gewettet. Mal schauen, wer recht hat.

UPDATE (10.01.2020): Sie ahnen es bereits. Immer noch nichts. Ich habe mich aber weiter informiert und werde der Knappschaft eine saftige Rechnung über eine Strafzahlung wegen Fristüberschreitung servieren. weitere Infos dazu in einem weiteren Post.

UPDATE (17.01.2020): Und wieder ist eine Woche vergangen und auch heute liegen Sie mit der Vermutung richtig, dass von der Knappschaft Pflege noch keine Rückmeldung erfolgt ist. Heute ist der 86. Arbeitstag nach Eingang des Antrags. Das ist sogar noch sehr wohlwollend berechnet. Tage wie Heiligabend und Silvester habe ich nicht als Arbeitstage gezählt. Wohlgemerkt: Innerhalb von 25 Arbeitstagen muss ein Entscheid vorliegen. Vor 61 Arbeitstagen also, hätte die Knappschaft schon einen Bescheid über den Antrag versenden müssen.

UPDATE (22.01.2020): Bis jetzt immer noch keine Reaktion der Pflegeversicherung. Selbst die sehr gute und erfolgreiche Pflegeberaterin scheint sich die Zähne an diesen Leute auszubeißen.

UPDATE (28.01.2020): Na, habe ich Sie erwischt, weil Sie geglaubt haben, dass die Knappschaft einen alten und pflegebedürftigen Versicherten nicht so lange hängen lässt? Falsch. Die Knappschaft lässt einen pflegebedürftigen, alten Menschen im Regen stehen. Sie tut das, was sie offensichtlich am besten kann; nämlich NICHTS!

UPDATE (01.02.2020): Zwischenzeitlich hat sich der Gesundheitszustand der zu pflegenden Person drastisch verschlechtert. Eine zusätzliche Höherstufung ist  daher zwingend erforderlich. Das interessiert diese Drecks-Krankenkasse (bitte verzeihen Sie mir diesen Ausdruck) leider nicht. Eine Höherstufung auf Pflegegrad 5 ist erst möglich, wenn die vorherige Höherstufung abgeschlossen ist. Doch weiterhin ist weder telefonisch noch per Mail eine zuständige Person erreichbar. So dass die erste Höherstufung immer noch nicht erfolgen kann.
Ein menschenunwürdigeres Verhalten als das der Knappschaft ist mir persönlich noch nicht untergekommen. 

UPDATE (08.02.2020): Wir feiern ein kleines Jubiläum. Heute ist es 150 Tage her, dass der Antrag auf Verschlimmerung gestellt wurde.  Das sind 21 Wochen und 3 Tage oder 41,10 Prozent eines Jahres, in dem die Knappschaft mit unverschämter Gleichgültigkeit durch Nichtstun glänzt.
Selbst eine Beschwerde, beziehungsweise ein Einwand vom 06.02.2020 beim GKV-Spitzenverband und dem Bundesamt für Versicherte scheint, in Bergheim einfach nur ein gleichgültiges Achselzucken und ein Weiterso beim Nichtstun zu bewirken.

UPDATE (14.02.2020): Heute ist ein Schreiben der Knappschaft eingegangen. Da schreibt der Büroleiter der Geschäftsführerin:
Ihre Verärgerung….verstehe ich voll und ganz. Zum neuen Jahr haben wir unser Computersystem umgestellt..blabla… Ziel des Systemwechsels….blabla… In naher Zukunft werden Sie uns wieder als zügigen und unkomplizierten Partner erleben. [Ende des Werbeblocks]
Und im letzten Absatz:
Ich kann Ihnen das Ergebnis der Begutachtung mitteilen. ….erhalten Sie demnächst weitere Informationen.

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Leider ist der Antragsteller heute, am 14.02.2020, abends verstorben. Die Mitteilung über seinen neuen Pflegegrad hat er nicht mehr wahrnehmen können.

Interessiert Sie die Krankengeschichte Ihrer Nachbarn?

Kein Problem. Ihr mitmenschliches Interesse am Gesundheitszustand Ihrer Nachbarschaft ist der Knappschaft wichtig. Sofern Ihr Nachbar oder auch Bekannter knappschaftlich krankenversichert ist und Sie den Eindruck haben, dass dieser nicht so ganz gesund wirkt, bietet die Knappschaft den einzigartigen Service der Akteneinsicht. Dazu brauchen Sie noch nicht einmal ein Gebäude der Knappschaft betreten. Fahren Sie einfach zur Zweigstelle in der Knappschaftsallee 1, 50126 Bergheim und parken Sie Ihr Fahrzeug vor dem Gebäude. Während der “Betriebszeiten” haben Sie kostenlose Einsicht auf die schicken 23-Zoll Monitore der dort Beschäftigten.

Die Knappschaft – auch eine Krankenkasse für Sie?

Bitte verzeihen Sie mir die Überschrift dieses letzten Abschnitts. Ich denke, dass das von mir Erlebte ausreicht, Sie von einem Schritt zur Knappschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung abzuhalten. Glauben Sie weder den bunten Anzeigen, der aufpoppenden Internetwerbung noch den Plakatwänden. Suchen Sie im eigenen Interesse eine andere – eine fähige und menschenwürdige Krankenkasse.

Hier noch ein paar Zahlen* zur Untermauerung meiner Empfehlung:

 201320142015201620172018
 Mitglieder1.427.4581.425.2671.417.7701.403.8851.371.1071.336.247
Versicherte1.741.2541.733.4521.716.9571.680.0281.636.1411.593.909
Vermögen je Versichertenk.A.k.A.305,81 €353,66 €461,87 €528,23 €
Verwaltungskosten je Versicherten  160,47165,82 €173,30 €186,51 €

*Quelle: Krankenkassen.de

Die Knappschaft verliert kontinuierlich Mitglieder und damit auch Versicherte. Trotzdem vergrößert sich ihr finanzielles Polster. Für den Mitgliederschwund können die in diesem Post erwähnten Beispiele ausreichend Begründung liefern. Da scheine ich also kein Einzelfall zu sein. Was das Vermögen der Krankenkasse angeht, ist diese offensichtlich nur mit Beitragserhöhungen und/oder weniger Leistungen beziehungsweise kompletter Ablehnung von Kostenübernahmen zu erklären. Eine wirtschaftlich verbesserte Kostenstruktur halte ich für eher unwahrscheinlich; insbesondere mit Blick auf die Verwaltungskosten je Versicherten, die innerhalb von vier Jahren um über 16 Prozent gestiegen sind. Im Vergleich dazu die Techniker Krankenkasse mit einer Einsparung von über 11 Prozent und Verwaltungskosten in Höhe von 117,08 €.

UPDATE (07.01.2020): Mein letzter Tag als knappschaftlich Versicherter. Ab morgen bin ich Mitglied bei einer anderen Krankenversicherung. Bis heute kann ich nur Gutes über diese berichten. Schnelle Bearbeitung, freundliche Mitarbeiter und kurze Wege. Ganz das Gegenteil der ‘Knappschaft

UPDATE  (10.01.2020): Ich bin die Knappschaft los. Und die neue Versicherungskarte habe ich auch schon. Es gibt Krankenkassen, da geht Alles deutlich schneller und unkomplizierter. 

UPDATE (05.05.2020): Viel zu früh gefreut! Wenn es nicht so ernst wäre, würde ich spätestens jetzt in schallendes Gelächter ausbrechen. Doch das Lachen ist mir mit der neuesten Post der Knappschaft gehörig vergangen. Aber der Reihe nach. Bereits im Februar erhielt ich ein freundliches Willkommenschreiben der Knappschaft, in dem man mich als Rentner, der ich ja nun seit dem 02.01.2020 sei, in der Knappschaft Rentner, herzlich als neues Mitglied begrüßt. Nicht ohne mir eine Beitragsinformation über monatliche 192,62 Euro mit gleicher Post zukommen zu lassen. “Lassen wir sie mal informieren”, war meine Reaktion auf das erste Schreiben. Auf die zweite Beitragsinformation über 2 x 192,62 Euro im März 2020 wurde ich vorsichtiger und meldete mich schriftlich bei der Knappschaft, dass da wohl ein Fehler vorliege und ich im Übrigen anderweitig krankenversichert sei. Eine Beitragsinformation, dieses Mal über 578,07 Euro, eine Antwortschreiben und ein Telefonanruf später, erhielt ich ein erneutes Begrüßungsschreiben. Gleichzeitig sagte man mir zu, dass man mir die 578,07 Euro umgehend zurück überweisen werde. Das, obwohl ich nie gezahlt hatte.
Lange Rede, kurzer Sinn. Die Knappschaft zeiht ihren Stiefel durch. Antwort auf Einwände oder Hinweise erfolgt ausschließlich mit standardisierten Schreiben, die in aller Regel nicht auf den Inhalt des vorherigen Schriftverkehrs eingehen.
Leider haben die umtriebigen Mitarbeiter der Knappschaft eine rechtliche Sonderregelung, ich behaupte einmal durch Zufall, gefunden, die mich noch bis Ende September 2020 an diese Krankenkasse binden könnte.
Da ich ein pragmatisch denkender Mensch bin und außerdem nichts mehr mit diesem Verein zu tun haben will, habe ich die Knappschaft erneut angeschrieben. Darin bat ich sie darum, mich aus der Mitgliedschaft am Januar 2020 zu entlassen, da ich ja formal seit diesem Zeitpunkt bereits bei meiner neuen Kasse versichert bin. Sollte die Knappschaft nicht dazu bereit sein, kündigte ich die Mitgliedschaft mit diesem Schreiben formell zum 30.09.2020.
Abgesehen vom verwaltungstechnischen Aufwand der Rückbelastungen der Arztrechnungen und den Kosten für diese, sollte es auch der Knappschaft nicht gleichgültig sein, mich als Mitglied zu behalten.
Der Brief liegt mittlerweile bei der Knappschaft vor. Mal schauen, welche Antwort ich zu welchem Datum aus dem Hause an der Knappschaftsallee in Bergheim erhalten werden. Auf jeden Fall werde ich Sie zu dem bereits beendet geglaubten Possenspiel weiter auf dem Laufenden halten.

UPDATE (12.05.2020): Heute habe ich eine neue Krankenversichertenkarte der Knappschaft mit einem Standardschreiben erhalten. Ich habe die Faxen jetzt endgültig dicke. Also habe ich an die Zentrale in Bochum geschrieben und denen Zeit bis Ende nächster Woche zwecks Stellungnahme gegeben. Dieser Verein ist nur noch lächerlich und unfähig. Leider geht das auf Kosten der Versicherten. Dem Ganzen muss man doch endlich Einhalt gebieten. 

LETZTES UPDATE (16.05.2020): Man glaubt es kaum. Nachdem ich dem Vorstand der Knappschaft in den letzten Tagen eine weitere Mail gesendet hatte, in der ich mit einem Rechtsanwalt gedroht habe, erhielt ich heute die wohl finale Antwort aus Bochum: Meine Mitgliedschaft in der Knappschaft sei definitiv beendet. Ich solle doch bitte meine kürzlich erhaltene eKVK (elektronische Krankenversicherungskarte) zurücksenden. Damit ist dieses Kapitel mit dem heutigen Tag  endlich beendet. 


*Übrigens: Die Knappschaft ist die einzige gesetzliche Krankenkasse, die sich einen eigenen MDK gönnt. Welche Vorteile dies für die Kasse hat, ist wohl offensichtlich. Jemand, der beruflich täglich mit diversen Kassen zu tun hat, sagte mal: “Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Wer bei dieser Konstellation auf eine objektive Begutachtung durch den MDK vertraut, der glaubt auch an den Weihnachtsmann “.


Auch wenn es den Anschein eines privaten Rachefeldzugs gegen die Knappschaft hat, kann ich alles, wovon ich hier berichtet habe, belegen und zudem jederzeit an Eides statt versichern. Auch kann ich Zeugen benennen, die das Geschilderte bestätigen werden.

Mir geht es in meinen Ausführungen lediglich darum, Personen zu finden, die Ähnliches erlebt haben. Weiterhin dient dieser Beitrag vielleicht ja auch als Entscheidungshilfe, sollte der Eine oder Andere mit dem irrwitzigen Gedanken gespielt haben, zur Knappschaft Krankenversicherung wechseln zu wollen. Wovon ich aus oben genannten und selbst gemachten Erfahrungen nur dringend abraten möchte.


UPDATE (05.05.2020): Meine Meinung und Fazit: Bitte, bitte, wechseln Sie nicht zur Knappschaft. Oder falls Sie dort versichert sein sollten, kündigen Sie die Mitgliedschaft dort. Sie können das, sofern Sie mindestens 18 Monate dort versichert waren, jederzeit zum Ende des folgenden Monats tun. 

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6 Gedanken zu „Knappschaft – ein Erfahrungsbericht

  1. So ein genialer Artikel. Ich habe es 2016 ähnlich erlebt. Bin heute in der 6. Woche krankgeschrieben und habe schon wieder Angst vor der wöchentlichen Knappschaftspost.
    Sobald ich besser dran bin, werde ich auch wechseln. Danke für die ehrlichen Worte.

    1. Hallo Birgit, danke für Ihr Lob. Ich möchte aber nochmals betonen, dass all das, was ich im, Laufe der Monate geschrieben habe, tatsächlich so ereignet hat.
      Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihre Gesundheit und viel Kraft für den K(r)ampf mit der Knappschaft.

  2. Eingang per Email:

    Guten Tag Herr Lauterbach,

    ihren Bericht (vollau.de) über die Knappschaft habe ich gelesen und sie haben recht. Seid geraumer Zeit habe ich auch erhebliche
    Probleme Antworten zu erhalten. Bei Anrufen bei der Hotline wird man nur vertröstet und es wird
    von erheblichem Arbeitsaufkommen gesprochen.

    Wann eine Bearbeitung möglich ist, sei noch nicht abzusehen.

    Mein Antrag 28.2.20 bezieht sich auf eine Beitragsbefreiung “Medikamentenzuzahlung” Es wird nur gesagt
    mein Schreiben sei eingegangen und würde bearbeitet werden. Wann könne nicht beantwortet werden.
    Das sind, per Stand heute, rund 2 Monate.

  3. Hallo,
    bin eben zufällig auf Ihren Artikel gestoßen. Leider kann ich die Situation nur bestätigen. Die neue Software hat offensichtlich die Knappschaft in den Abgrund gerissen.
    Dabei wird die Einführung derselben in diversen Artikeln im Internet als Erfolg gefeiert.
    Ich versuche seit Monaten die Knappschaft zu bewegen, weiterhin anteiliges Pflegegeld für meinen Vater zu zahlen. Gezahlt wurde letztmals für Oktober 2019. Mehrere teils längere Anrufe, eMails, Telefax haben nichts bewirkt, ausser Bekundungen der Mitarbeiter der Knappschaft am Telefon, dass jetzt wirklich das Geld überwiesen wird.
    Nun muss ich auf Grund der ausbleibenden Zahlungen der Haushaltshilfe meines Vaters kündigen.
    Ich selbst bin aufgrund meiner Beschäftigung in der Montanindustrie seit 1981 bei der Knappschaft versichert und war immer zufrieden. Was nun da läuft geht gar nicht. Ich habe nunmehr bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Beschwerde eingereicht. Viel Mut haben die mir nicht gemacht, nach dem Motto “Wir wissen das mit den Problemen bei der Knappschaft, aber was sollen wir machen? Die Probleme lösen muss die Knappschaft selbst, wir können nur ermahnen”. Warum dann eine Behörde betreiben, die per se nichts ausrichten kann?
    Ich denke nun nach über 38 Jahren über einen Wechsel zu einer anderen Krankenkasse nach. Es gibt da interessante Alternativen.

    mit freundlichem Gruß

    Helmut A.

    1. Hallo Helmut, danke für das Lob. Auch mein Kampf ist noch nicht vorüber. Ich kann Ihnen nur noch den Wechsel in eine andere Kasse empfehlen.
      Viel Glück bei der richtigen Wahl. Aber jede andere Kasse dürfte besser sein.

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