Knappschaft – ein Erfahrungsbericht

Knappschaft – ein Erfahrungsbericht

Erfahrungen mit der Knappschaft Kranken- und Pflegeversicherung

Unser Gesundheitssystem

– Dass unser Gesundheitssystem vorwiegend nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen arbeitet, ist hinlänglich bekannt. So bleibt es nicht aus, dass der Mensch, der eigentlich im Mittelpunkt steht sollte, nur noch als Kostenfaktor gesehen wird und das System der Gesundheitsversorgung und der Pflege jährlich Milliardenbeträge verbraucht. Wobei der Großteil der aufgewendeten Mittel bei den Unternehmen der Pflege, der Pharmaindustrie und den Sanitätshäusern hängenbleibt, während der Sparstift bei den Medizinern und besonders den Patienten angesetzt wird. Gleichzeitig erlauben wir uns das Privileg, die Gutverdienenden, Selbständigen, Beamten und die Bundestagsabgeordneten (diese möchte ich an dieser Stelle besonders hervorheben) aus unserem Sozialsystem ausscheiden zu lassen.
An dieser Thematik haben sich seit 50 Jahren diverse Bundesgesundheitsminister mal ernsthaft, mal nur halbherzig versucht. Keiner der Damen und Herren der Vergangenheit, der Gegenwart und ich befürchte auch der Zukunft, wird die Lust, den Mumm und das Rückrat besitzen, das marode Gesundheitssystem zu reformieren.
In diesem Zusammenhang stelle ich auch gerne die Notwendigkeit von 109 Krankenkassen in Deutschland (Stand: 01.01.2019) infrage. Denn das sind 109 Krankenkassen, die den angeblichen Vorteil der Konkurrenz untereinander nicht wirklich erfüllen können. Schließlich sind deren Angebote und Beiträge gesetzlich verordnet viel zu ähnlich, um wahre Konkurrenz zu ermöglichen. Das Einzige, was die 109 gesetzliche Kassen produzieren, sind 109 Vorstände und Geschäftsführer, 109 Verwaltungen, x-Geschäftsstellen (oftmals im gleichen Ort) und ein überbordender Bürokratismus.

Die Knappschaft – eine Krankenversicherung

Aus alter Verbundenheit und weil sie eigentlich einen guten Ruf hatte, war ich nahezu zwanzig Jahre Mitglied bei der Knappschaftlichen Krankenversicherung. Solange ich nur ein paar Mal zum Hausarzt ging und monatlich meine Pflichtbeiträge durch meinem langjährigen Arbeitgeber überwiesen wurden, konnte ich auch zufrieden sein. Die regelmäßig via Hochglanz-Flyer eintrudelnde Aufforderung zur Mitgliederwerbung lernte ich mit der Zeit, im noch verschlossenen Umschlag zu erkennen und direkt ins Altpapier zu geben.

Doch wie das so ist, und das ist das Doofe für die Krankenversicherer, wird der Mensch gelegentlich auch einmal krank. Nicht, dass man das absichtlich machen würde oder gar der Kasse schaden wolle. Nein, es passiert einfach so und man wird krank. Das geschah es auch mir. Dumm nur, dass ich mich gut krankenversichert fühlte und auch noch an das Gute im Menschen glaubte.

Vorwegnehmend kann ich sagen: Nicht trotz, sondern wegen der Knappschaft noch kranker

Es begann damit, dass ich länger als die Lohnfortzahlung dauert, arbeitsunfähig war. Von diesem Zeitpunkt an wurde es unangenehm. Völlig unerwartet, weil absolut unerfahren in diesen Dingen, war ich in die Fänge der Sachbearbeiter und denen des Medizinischen Dienstes (MDK*) der Knappschaft geraten.

Vor Beginn des Krankengeldbezuges bekam ich einen Antrag auf Krankengeld zugesendet. “Die sind aber fix und denken mit”, dachte ich noch so. Auf den Bewilligungs-Bescheid folgte eine Korrektur desselben. Darauf eine Korrekturschreiben ohne Angaben, also ein faktisch leerer Briefbogen.
Die Reha wurde durch den Rentenversicherungsträger genehmigt und ich bekam von der Knappschaft einige Anschreiben (Ankündigung, Bescheid zur Unterschrift, Bescheid nach Unterschrift) zum ‘Dispositionsrecht’, bzw zur Einschränkung des ‘Dispositionsrecht’. Kennen Sie eigentlich dieses ‘Dispositionsrecht’? aus der Vielzahl der Anschreiben ging hervor, dass ich die Reha-Maßnahme, für die ja von der Rentenversicherung Übergangsgeld gezahlt würde, nicht eigenmächtig abbrechen, verkürzen, verlängern oder eine andere Klinik auswählen dürfe. Und falls doch, dann nur nach Rücksprache und mit Genehmigung eines Sachbearbeiters der Knappschaft. Ich fühlte mich zunächst in meinen Grundrechten beschnitten. Ganz besonders, wenn man den juristisch abgesicherten Schreibstil, in dem diese Schreiben verfasst wurden und werden, betrachtet. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber an diesen Tonfall und ich heute steigt mein Blutdruck nur noch selten, wenn ich mal wieder eines dieser Schriftstücke in Händen halten muss.

Dennoch habe ich mittlerweile ich schon Magendrücken, wenn dieser Schnecken-Postdienst namens Postcon mal wieder einen Brief in unseren Briefkasten wirft. Denn meistens ist es ein Briefumschlag mit dem Schriftzug Logo Knappschaft weiße Schrift auf rotem Grund und der bedeutet selten Gutes.

So auch der Schrieb nach der Reha, aus der ich vermeintlich als arbeitsfähig entlassen wurde. Entweder gehört Lesen nicht zu den Vorlieben der zuständigen Sachbearbeiterin oder sie wollte an mir ein Exempel statuieren. Vielleicht hatte sie aber auch einfach nur einen unbefriedigenden Vorabend. Auf jeden Fall unterließ  sie es, den Entlassbericht der Reha-Einrichtung (in der ihr vorliegenden Kurzform immerhin 1,5 DIN A4 Seiten lang) vollständig zu lesen und sogar noch zu verstehen. So stellte die Krankenkasse aufgrund der medizinisch hochqualifizierten Sachbearbeiter-Entscheidung die Zahlung von Krankengeld ein. Gegen diesen Bescheid könne ich selbstverständlich Widerspruch einlegen.

Nur wie? Telefonisch – keiner erreichbar, EMail (weil, es soll ja schnell gehen) – keine Antwort. Ignoriert man mal die automatisch versendete Eingangsbestätigung, in der man mitteilt, dass man sich schnellstmöglich um das Anliegen kümmern werde.
Bleibt also nur der Brief. Bereits nach etwas mehr als zwei Wochen erhielt ich eine Antwort. Schnell auf dem Boden der Tatsachen musste ich leider den enttäuschenden Hinweis lesen, dass der Widerspruch eingegangen sei und dass ich mich noch etwas gedulden müsse. Ich möchte hier noch einmal anmerken, dass ich zu dieser Zeit keine Bezüge hatte.

Lange Rede – kurzer Sinn. Es hat drei Monate gedauert, bis diese Krankenkasse ihren Fehler korrigiert hat. Kein Wort der Entschuldigung kam über die Lippen der Knappschaft-Mitarbeiter. Lediglich der Hinweis auf den Widerspruchs-Prozess und dass dieser halt etwas dauere. Meiner Ansicht nach fühlte sich in diesem mehrstöckigen Verwaltungsmoloch wirklich keiner zuständig und schon gar nicht verantwortlich für eventuelle Fehler. Ich denke, darüber sollte an verantwortlicher Stelle mal nachgedacht werden. Für mich erfüllt der Umstand, einem Erkrankten das ihm zustehende Krankengeld vorzuenthalten, den Tatbestand der Nötigung oder der Körperverletzung. Vielleicht kann man auch über den Missbrauch von Befugnissen im Amt nachdenken.

Bundesversicherungsamt

Gestatten Sie mir an dieser Stelle noch einen Hinweis zum Bundesversicherungsamt. Diese Einrichtung soll als Aufsichtsbehörde für die gesetzlichen Krankenkassen dienen. Auch ich habe dieses Amt in meiner Not wegen der Zwangssperre meines Krankengeldes angeschrieben. Aber die dort Beschäftigten erfüllen das Klischee des Bundesbeamten in perfekter Manier:
Vier Wochen Wartezeit bis ich eine Eingangsbestätigung erhielt. Nach weiteren vier Monaten bekam ich einen Brief, dass man sich freue, mir mitzuteilen zu können, dass ich mittlerweile ja wieder Krankengeld bekomme. Daher ging man davon aus, dass die Angelegenheit damit erledigt sei. Spätestens an dieser Stelle habe ich aufgegeben, auf staatliche Aufsichtsorgane zu vertrauen. Vielen Dank für nichts. Danke Herr Spahn für Ihre effektive Behörde, die die Aufgabe zu haben scheint, alle Anfragen auszusitzen. Genau wie Ihr Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte, das ebenfalls durch Verzögerungen und Aussitzen zu glänzen vermag. Das hat doch etwa nicht Methode?

Der medizinische Dienst (MDK)

Die Termine beim Medizinischen Dienst der Knappschaft habe ich immer wieder gern wahrgenommen. Denn ‘meine Gesundheit läge der Knappschaft am Herzen’ und deshalb würde man sich auch medizinisch fürsorglich um mich kümmern. Man habe schließlich ein hochqualifiziertes Ärzteteam.

Vier Male musste, äh, durfte ich dort vorreiten. Die beiden letzten Besuche waren auf morgens 07:30 Uhr terminiert. Bei einer Anfahrt von ungefähr 45 Minuten zuzüglich einer Viertelstunde zur Sicherheit, bedeutete dies den Start der Anreise um 06:15 Uhr. Aufgrund des ersten Termins am Tag erwartete ich daher zumindest keine Wartezeit. Doch weit gefehlt; denn nach pünktlicher Ankunft um 07:20 Uhr durfte ich bis 09:00 Uhr im bequemen Wartebereich Platz nehmen und den Beschäftigten beim Schlendern über die Flure zuschauen.

Kontakt per Formular und Email

Grundsätzlich erhält man weder auf Eingaben über das Kontaktformular oder auf Emails eine Antwort. Aussitzen ist auch hier Trumpf. Wenn Sie wirklich schnell etwas erreichen wollen oder gar müssen, fahren Sie am besten in eine Zweigstelle und treten den Mitarbeitern vor Ort auf die Füße. Bei mir hat das leider nicht gewirkt. Die Dame dort war abgebrüht und ließ jeden Anflug von Arbeitsaufforderung an sie einfach so abperlen. “Das machen die in Bergheim”, war ich stoische Antwort.

Wir sind dann mal weg

Zum Jahreswechsel stellen wir unser System auf eine neue, leistungsstarke Software um. Und die bietet alles, was wir brauchen, um Sie ganzheitlich zu versorgen. Ihre Vorteile liegen auf der Hand: schnellere Sachbearbeitung, mehr Komfort durch digitale Angebote und eine höhere Wirtschaftlichkeit.

Durch die Umstellung ist ab dem 18. Dezember 2019 nur ein eingeschränkter Service möglich – voraussichtlich bis zum 5. Januar 2020. In dieser Zeit können wir nicht vollständig auf Ihre Versichertendaten zugreifen. Bei unaufschiebbaren Anliegen helfen wir aber selbstverständlich sofort. Und zu allgemeinen Fragen beraten wir Sie auch während der Systemumstellung wie gewohnt. (Quelle: Knappschaft.de im Dezember 2019)

Zwei Wochen kein Zugriff auf die Systeme. Da muss der Versicherte noch mehr Geduld haben als üblich. Einfach unglaublich.

Postcon – Schneckentempo im Auftrag der Knappschaft

Leistungsstarke Software? Nun gut, wie wäre es mit einem leistungsstarken und zeitgemäßen Postdienstleister? Oben habe ich bereits erwähnt, dass die Knappschaft ihre Briefpost mit dem Postdienstleister Postcon versendet. So wird es zum Standard, dass Briefe der Knappschaft, auch wenn diese dringend sein sollten, für die Entfernung von 58 Kilometern mal eben vier bis fünf Tage unterwegs sind. Den Vogel schoss ein Umschlag ab, der ganze zwölf Tage bis in meinen Briefkasten benötigte.
“Wir wissen, dass die langsam sind. Postcon ist aber billiger”, war die lapidare Aussage einer Knappschaft-Angestellten zu diesem Thema.

Pflegekasse und Pflegestufe

Ganz dicke kommt es, wenn Sie einen Antrag wegen Verschlimmerung hinsichtlich des Pflege-Grades stellen müssen. Oftmals geht es neben den Beeinträchtigungen der Gesundheit auch um viel Geld. Geld, das die Pflegekasse zur Sicherung der Pflege eines Bedürftigen bereitstellen muss. Im Falle eines Familienangehörigen musste dieser auf eine Begutachtung durch eine äußerst unfreundliche Dame drei Monate lang warten. Dreizehn lange Wochen, in denen der Angehörige für den Pflegedienst in Vorleistung gehen musste. Leider ist Stand heute (28.12.2019) zehn Tage nach der Begutachtung, immer noch keine Ergebnis dieser eingegangen. Von der Überweisung des ihm zustehenden Pflegegeldes kann der Familienangehörige auch nur träumen. Mal schauen, wann sein Konto leer ist.

UPDATE (07.01.2020): Tja, was soll ich sagen? Immer noch nichts! Am 11.09.2019 wurde der Antrag gestellt. Heute am 07.01.2020 ist immer noch kein Bescheid ergangen? Wie lange das noch dauern mag? Heute sagte jemand, dass er nicht glaube, dass die Knappschaft sich noch vor Ostern melden wird. Ich habe trotz allem dagegen gewettet. Mal schauen, wer recht hat.

UPDATE (10.01.2020): Sie ahnen es bereits. Immer noch nichts. Ich habe mich aber weiter informiert und werde der Knappschaft eine saftige Rechnung über eine Strafzahlung wegen Fristüberschreitung servieren. weitere Infos dazu in einem weiteren Post.

UPDATE (17.01.2020): Und wieder ist eine Woche vergangen und auch heute liegen Sie mit der Vermutung richtig, dass von der Knappschaft Pflege noch keine Rückmeldung erfolgt ist. Heute ist der 86. Arbeitstag nach Eingang des Antrags. Das ist sogar noch sehr wohlwollend berechnet. Tage wie Heiligabend und Silvester habe ich nicht als Arbeitstage gezählt. Wohlgemerkt: Innerhalb von 25 Arbeitstagen muss ein Entscheid vorliegen. Vor 61 Arbeitstagen also, hätte die Knappschaft schon einen Bescheid über den Antrag versenden müssen.

Interessiert Sie die Krankengeschichte Ihrer Nachbarn?

Kein Problem. Ihr mitmenschliches Interesse am Gesundheitszustand Ihrer Nachbarschaft ist der Knappschaft wichtig. Sofern Ihr Nachbar oder auch Bekannter knappschaftlich krankenversichert ist und Sie den Eindruck haben, dass dieser nicht so ganz gesund wirkt, bietet die Knappschaft den einzigartigen Service der Akteneinsicht. Dazu brauchen Sie noch nicht einmal ein Gebäude der Knappschaft betreten. Fahren Sie einfach zur Zweigstelle in der Knappschaftsallee 1, 50126 Bergheim und parken Sie Ihr Fahrzeug vor dem Gebäude. Während der “Betriebszeiten” haben Sie kostenlose Einsicht auf die schicken 23-Zoll Monitore der dort Beschäftigten.

Die Knappschaft – auch eine Krankenkasse für Sie?

Bitte verzeihen Sie mir die Überschrift dieses letzten Abschnitts. Ich denke, dass das von mir Erlebte ausreicht, Sie von einem Schritt zur Knappschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung abzuhalten. Glauben Sie weder den bunten Anzeigen, der aufpoppenden Internetwerbung noch den Plakatwänden. Suchen Sie im eigenen Interesse eine andere – eine fähige und menschenwürdige Krankenkasse.

UPDATE (07.01.2020): Mein letzter Tag als knappschaftlich Versicherter. Ab morgen bin ich Mitglied bei der ‘actimonda krankenkasse. Bis heute kann ich nur Gutes über die ‘actimonda‘ berichten. Schnelle Bearbeitung, freundliche Mitarbeiter und kurze Wege. Ganz das Gegenteil der ‘Knappschaft‘.

UPDATE (10.01.2020): Ich bin die Knappschaft los. Und die neue Versichertenkarte habe ich auch schon. Es gibt eine Krankenkasse, da dauert das deutlich länger 🙂 Gelegentlich muss man bei der Knappschaft die neue Karte sogar gesondert anfordern; so wie es einer nicht näher benannten Person widerfahren ist.


*Übrigens: Die Knappschaft ist die einzige gesetzliche Krankenkasse, die sich einen eigenen MDK gönnt. Welche Vorteile dies für die Kasse hat, ist wohl offensichtlich. Jemand, der beruflich täglich mit diversen Kassen zu tun hat, sagte mal: “Da hat man den Bock zum Gärtner gemacht. Wer bei dieser Konstellation auf eine objektive Begutachtung durch den MDK vertraut, der glaubt auch an den Weihnachtsmann ”

HINWEIS: Alles, was ich hier berichte, kann ich belegen. Zudem kann ich jederzeit eidesstattlich erklären, dass sich das Beschriebene tatsächlich so ereignet hat.






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