Kontaktsperre – Lauftraining in Zeiten von Corona

Corona und wie sich die Menschen im Freien verhalten

Bei uns in Nordrhein-Westfalen gilt aktuell eine Kontaktsperre und gleichzeitig die Aufforderung, das Haus oder die Wohnung nur aus zwingenden Gründen zu verlassen. Neben Arztbesuchen und dem Einkauf notwendiger Lebensmittel gehört auch der Aufenthalt in der Natur explizit zu den erlaubten Dingen. Insbesondere Mediziner wiesen bereits mehrfach darauf hin, dass Sport an der frischen Luft gesund halte und zudem noch dem befürchteten ‘Lagerkoller’ vorbeugen solle.

Also habe ich auch meine Laufschuhe geschnürt und mich auf einen lockeren Trainingslauf gemacht. Schließlich steht in sechs Monaten, so denn Corona ein Einsehen hat, der Marathon in Berlin an. Und dieser ist ja bekanntlich ein Highlight im deutschen und internationalen Laufsportkalender. Zudem lachte die Sonne vom blank geputzten blauen Himmel. Nur der fiese Ostwind ließ nicht so recht Frühlingsgefühle aufkommen.

Auf meiner 12-km-Trainingsstrecke kommen mir bei gutem Wetter um diese Jahreszeit drei bis vier Personen entgegen. Ansonsten  bewege ich mich in der Natur ungestört durch Mitmenschen. Nicht so am gestrigen Freitag. An diesem Corona-Freitag, von dem ich eigentlich menschenleer ausgegangen war. Weit gefehlt Direkt Eingangs des ersten Feldweges kam mir ein Mann meines Alters mit seinem Vierbeiner entgegen. Wir machten uns Corona sei Dank, respektvoll zwei Meter Platz, grüßten einander und schon war diese Begegnung gemäß der Handlungsempfehlung der Epidemiologen und Politiker perfekt gemeistert. 

Lauftraining trotz Corona Kontaktsperre
So ist es richtig. Maximal zwei Personen und idealerweise aus demselben Haushalt!

Dann war erst einmal vier Kilometer Menschenleere angesagt. Bis mir auf einem für den öffentlichen Verkehr gesperrten Wirtschaftsweg ein wild hupender und noch wilder gestikulierender Fahrer eines Billig-SUV entgegenkam. Ob ich denn nichts von der Ausgangssperre gehört habe und dass ich ja schnell nach Hause kommen solle. Schließlich könne ich ja jede Menge Leute infizieren. Was soll man in solch einer Situation denken? Geschweige denn sagen? Ich hielt es mit den drei Affen und setzte meine Laufeinheit mit gleichbleibender Geschwindigkeit fort. Was wollte dieser Idiot, dem die Staßenverkehrsordnung vollkommen egal zu sein schien,von mir? 

Nach dieser Begegnung der besonderen Art, glaubte ich schon, dass sich jetzt der ruhige Teil des Laufes anschließen würde. Weit gefehlt, wie ich gut sechshundert Meter weiter feststellen musste. Hörte ich doch hinter mir das stürmische Warnsignal einer Fahrradklingel und ein näher kommendes Surren. Dieses Geräusch lässt mich grundsätzlich voller Hochspannung die nächsten Meter absolvieren. Denn dieses Surren in Kombination mit dem Klingel bedeutet Gefahr; durch einen, oder noch schlimmer, mehrere Senioren und deren E-Bikes. Und ich sollte zurecht vorsichtig gewesen sein. Denn nachdem mich ein zirka 80-jähriger Mann überholt hatte, wollte dieser vor mir einscheren. Leider unterschätzte er wohl die Geschwindigkeit seines Zweirades mit Motorkraftunterstützung und schenkte auch noch dem Grasstreifen in der Mitte des Weges zu wenig Beachtung, so dass ich dem Schlingernden Opa nur durch meine Geistesgegenwart ausweichen konnte. 

Das war ja noch einmal gut gegangen. Doch weiteres Ungemach drohte kurze Zeit später von vorne. Zwei Damen sehr weit fortgeschrittenen Alters, ebenfalls auf E-Bikes, kamen mit entgegen. Ich konnte schon aus der Ferne erkennen, dass wohl die Räder mit den Ladies unterwegs waren und nicht umgekehrt. Wenige Meter vor schwenkte die Führende in die Mitte, so dass ich einen Schritt nach rechts machen musste, um nicht mit dieser sicherlich sehr netten Damen in beigefarbener Steppweste und unter einem schicken Fahrradhelm zusammen zu stoßen. 

Das war nun der zweite Beinahezusammenstoß. Und da aller guten Dinge drei sind, ließ auch Seniorenpaar drei mit seinen E-Bikes nicht lange auf sich warten. Mann und Frau jenseits der 80 rollten nebeneinander auf mich zu. Er lächelte mich noch richtig freudig an, um dann in 20 Zentimeter Abstand an mir vorbei zu fahren. 

Alles in allem bin ich an diesem Tag viel mehr Menschen begegnet als üblich. Die Personen mittleren Alters und auch junge Erwachsenen achteten auf den durch Corona unabdingbaren Abstand zu den Mitmenschen. Die Senioren, die definitiv zur Risikogruppe gehören, halten sich vermehrt im Freien auf und kümmern sich reichlich wenig bis gar nicht um irgendwelche Abstandsregeln. Da muss ich nun eine Lanze für die junge Generation brechen und die Senioren nach deren gesunden Menschenverstand fragen. 

Dies war natürlich nur eine Momentaufnahme und soll auf keinen Fall pauschalisieren oder gar polarisieren. Dieser Beitrag soll lediglich einen Denkanstoß darstellen, denn es ist nicht immer so, wie es uns die öffentliche Meinung glauben lassen will.

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