Psychische Erkrankung – der erzwungene Seelenstriptease Betroffener

Sie leiden an einer psychischen Erkrankung?

– Langwierige Behandlungen durch Psychotherapeuten mit einer Dauer von zwei Jahren und länger sind keine Seltenheit, sondern vielmehr beinahe die Regel. Doch neben der Belastung durch die Erkrankung fordert unsere Gesellschaft noch einen weiteren, nicht zu unterschätzenden Tribut des Betroffenen und das ist die organisierte ‘Durchleuchtung der Seele‘ durch offizielle Stellen.

Durchleuchtung der Seele‘ –  was ist damit gemeint?

Gehen wir einmal davon aus, dass Sie im besten Erwerbslebens-Alter psychisch erkranken. Oftmals ist diese Erkrankung eine Depression, die sich aus vielerlei Dingen im Laufe der Jahre und Jahrzehnte entwickelt hat. Menschen mittleren Alters haben im Allgemeinen den Nachteil, dass sie im Berufsleben stehen. Wenn man dann krank und arbeitsunfähig wird, beginnt ein Martyrium aus immer wiederkehrenden Eingriffen in die Psyche des Erkrankten.

Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsagentur

Psychische Erkrankung bedeutet, dass eine Person an der Seele erkrankt ist. Das ist ein großer Nachteil gegenüber ‘normalen‘ Krankheiten. Ein gebrochener Knochen wird mit einem Gips versehen, den jeder sehen kann. Mitleid und Hilfsbereitschaft sind da vorprogrammiert. Und bei verletzter Seele – was sieht man da? Nichts. Genau das ist das Problem. Da hilft kein Röntgenbild, noch kann ein MRT Klarheit verschaffen. Der Mensch ist krank, aber keiner sieht das.
Da psychische Erkrankungen wie bereits erwähnt, sehr langfristige Behandlungen erfordern, geschieht es nicht selten, dass ein Arbeitnehmer über die sechs Wochen der Lohnfortzahlung arbeitsunfähig ist. Das bedeutet, dass dann die Krankenkasse das Zepter vom Arbeitgeber übernimmt.

Geht man mal davon, dass der eigene Arzt ein Mediziner des Vertrauens ist, dürfte es recht leicht fallen, ihm die eigenen Befindlichkeiten zu berichten. Dieser Arzt ist also die erste ‘offizielle‘ Person, der man sich zu offenbaren hat. Als nächster Schritt folgt die Vorstellung bei einem Psychotherapeuten, sofern man zeitnah einen Termin erhalten hat, was eher schon ungewöhnlich ist. Die Therapeutin, der Therapeut ist dann die zweite Person, bei der man sein Innerstes nach außen krempeln muss.

Wer jetzt glaubt, dass dies schon schlimm ist, den wird die Perfidität von Krankenkassen, Rentenversicherung und Arbeitsagentur wünschen lassen, nie psychisch zu erkranken. Denn Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen und der Rentenversicherung sowie der eventuell betroffenen Arbeitsagentur reihen sich in loser Folge aneinander. In eineinhalb Jahren können so gut und gerne sechs oder sieben sogenannte ‘Begutachtungen‘ seitens der zuvor genannten Stellen zusammenkommen. Diese ‘Gutachter-Termine’ sind verpflichtend und zutiefst belastend. Schließlich muss sich der Erkrankte völlig fremden Personen offenbaren. Da kann es auch gut möglich sein, dass ein Mediziner Fragen zum Sexleben, zu Suizidgedanken und schlimmen Kinderheitserinnerunge stellt, wobei man diesem noch nicht einmal die Hand geben möchte, weil er/sie absolut unsympatisch ist. Bei jedem dieser Termine begeht man einen ‘Striptease der Seele‘. Man muss sich fremden Menschen gegenüber offenbaren. Stellen Sie sich einmal vor, dass ein in seiner Kindheit missbrauchter Mensch, diesen fremden Ärzten von seinen Erlebnissen erzählen muss. Und das immer wieder. Zu jeder Einladung.
Erschreckend wird es, wenn man bedenkt, dass die besagten Gutachter oftmals gar keine Psychologen, sondern nichts selten Internisten oder Allgemeinmediziner mit ‘sozialmedizinischer Zusatzqualifikation’ sind. Da bleibt es nicht aus, dass im Zuge solcher Begutachtungen mehr kaputt gemacht werden kann, als dass es hilfreich sein könnte. Aber Hilfe anzubieten, darum geht es bei diesen Aktionen auch gar nicht. Einziges Ziel ist es, die Sozialkassen möglichst zu entlasten. Da muss man sich auch einmal unbequeme Fragen gefallen lassen und ein wenig aus dem seelischen Nähkästchen plaudern (Ende des Sarkasmus).

Vielleicht sollte man, Herr Spahn, einmal darüber nachdenken, Abstand vom Generalverdacht des Sozialbetruges zu nehmen und den betroffenen Menschen ehrliche Hilfe anbieten. Denn die Wenigsten wollen dem Sozialsystem zur Last fallen, sondern vielmehr gesund werden. Dabei sind die ständigen Begutachtungen durch alle denkbaren Medizinischen Dienste eher ineffektiv.






 

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.