Schweinezucht im Kastenstand – überraschende Wahrheiten

So wie auf dem Beitragsbild könnte und sollte eine Muttersau mit ihren Jungen leben dürfen. Doch leider sehen das Politik, Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Handel und letztlich auch die Verbraucher anders. 

Denn im Grunde geht es ausschließlich um wirtschaftliche Interessen. 

  • Die Landwirtschaft will und muss Gewinn-maximierend arbeiten, um einerseits dem Kostendruck Rechnung tragen zu können und andererseits die eigenen Gewinne zu erhöhen.
  • Die Lebensmittelindustrie kauft billigste Rohstoffe ein, um diese nach der Verarbeitung möglichst teuer zu vertreiben. Ziel ist auch hier die Gewinnmaximierung.
  • Der Handel will ebenfalls seine Gewinne maximieren und versucht vielfach, möglichst viele Marktanteile durch Preisdumping zu gewinnen. Opfer dieser Strategie: Die Hersteller der Lebensmittel und deren Lieferanten, die Landwirtschaft. 
  • Der Verbraucher kann oder will sich keine höherwertigen und damit höherpreisigen Lebensmittel leisten. Gründe hierfür: HartzIV, niedrige Renten oder die Geiz-ist-geil-Mentalität. 
So sieht es in Wahrheit aus
Sieht so artgerechte Haltung aus?
Quelle „Animal Rights Watch e.V. (ARIWA)“
Ist das Respekt vor dem Lebewesen?
Quelle „Animal Rights Watch e.V. (ARIWA)“
Wollen SIE diesen Preis für billiges Fleisch zahlen?
Quelle „Animal Rights Watch e.V. (ARIWA)“
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DerFall Tönniesging medial durch die Republik. Fast alle Politiker zeigten sich empört und mahnten deutliche Verbesserungen an. Und plötzlich war das Tierwohl wieder ganz oben auf der politischen und journalistischen Prioritätenliste. 
Doch während im Bundestag medienwirksam über mehr Tierwohl und Lebensmittelqualität debattiert wurde, hat der Bundesrat zeitgleich der Tierschutz-Nutztierverordnung von Frau Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft zugestimmt. Selbst die meisten der Grünen, die in elf Bundesländern in der Regierungsverantwortung stehen, nickten diese Verordnung aus dem Bundesministerium von Frau Klöckner ab. 
Ein parteiübergreifender Beschluss zum Wohle der Tiere. “Das kann ja nur gut sein”, denken Sie sicherlich.

Doch so einfach ist das nicht. Denn die Grünen ließen verlauten, dass sie dem ‘Kompromiss’ nur zugestimmt haben, um den ‘Systemwechsel hin zur Gruppenhaltung der Sauen’ zu ermöglichen. Bis es aber zur Gruppenhaltung kommt, ist es noch eine Weile hin. Denn der gestrige (03.07.2020) Beschluss des Bundestages bedeutet, dass die Haltung von Sauen im sogenannten Kastenstand noch weitere acht (8) Jahre erlaubt ist. Das heißt acht zusätzliche Jahre mit einer Schweinezucht wie sie in den Bildern ober- und unterhalb zu sehen ist. 

Seit 2001 gilt eine Verordnung, die die ‘artgerechte’ Haltung von Schweinen regelt. Allerdings wird seitdem gegen diese Verordnung verstoßen und die besagte Kastenstandhaltung bis heute angewendet. Selbst ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Magdeburg aus dem Jahr 2015 wird weitgehend ignoriert und durch den gestrigen Beschluss legal umgangen. 

"Aus der Verordnung ergibt sich zwingend, dass den in einem Kastenstand gehaltenen Sauen die Möglichkeit eröffnet sein muss, jederzeit in dem Kastenstand eine Liegeposition in beiden Seitenlagen einzunehmen, bei der ihre Gliedmaßen auch an dem vom Körper entferntesten Punkt nicht an Hindernisse stoßen."

Oberverwaltungsgericht Magdeburg 2015

Das Urteil hätte zur Folge, so es denn beachtet würde, dass die Ställe umgebaut werden müssten. Denn die meisten Kastenstände sind so eng gebaut, dass ein Schwein, sollte es sich ausstrecken wollen, mit seinen Beinen im Nachbarkäfig ‘landet’ und das dortige Tier tritt oder ihm den notwendigen Platz nimmt.
Doch das Bundeslandwirtschaftsministerium schlug sich schnell auf die Seite der Landwirtschaft und entschied, dass derselben der Umbau der Ställe nicht zuzumuten sei. 
Mit der Annahme dieser Verordnung durch den Bundesrat, auch mit den Stimmen vieler Grünen, wurde die ungesetzliche und per Gerichtsbeschluss untersagte Kastenstandhaltung für weitere acht Jahre legalisiert. Da hat sich die Lobby-Arbeit von Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie wieder einmal gelohnt. Für die Parteien gilt ohnehin, die Wähler nicht zu graulen.  Schließlich gibt es rund 280.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. 

Und was sagt der Bauernverband?

Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass der Deutsche Bauernverband ob des Beschlusses in Jubel ausbrechen würde. Schließlich wurden gestern die tierquälerische Haltungsform des ‘Kastenstands’ für weitere acht Jahre legalisiert. 

Doch weit gefehlt. Denn der Präsident des Bauernverbandes ließ kein gutes Haar am Beschluss, was vielleicht an der lang geübten Praxis des Jammerns und Forderns dieser Vereinigung liegen mag. 

"Diese Entscheidung ist sehr schmerzhaft für die Landwirte und wird gerade bäuerliche Strukturen hart treffen. Nach dem jetzt gefundenen Kompromiss sind relativ zeitnah in jedem Betrieb größere Baumaßnahmen notwendig. Dies wird gerade die bäuerlich strukturierte Tierhaltung, also kleine und mittlere Betriebe verstärkt zum Ausstieg zwingen.“ *

Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes

Von ‘kein Verständnis‘ und  einer ‘enormen Belastung für die deutschen Tierhalter‘ ist auf der Website des Bauernverbandes  weiterhin die Rede. Ober-Bauer Rukwied klagt weiter: „Völlig unverständlich ist allerdings, dass bei der politischen Kompromissfindung jegliche Praktikabilität über Bord gegangen ist. Dadurch wird der ohnehin starke Strukturwandel noch deutlich beschleunigt.“*

Meiner Meinung nach kann ein Mensch nur so reden, wenn er keine Achtung vor dem Tier als Lebewesen hat. Für die Landwirte, die er mit diesen Ausführungen vertritt, sind  Schweine, Rinder, Hühner und Co., die sie auf Ihren Höfen halten, lediglich Waren. Leblose Produkte, die nur den Bestand des Betriebes  sichern müssen.  

An dieser Stelle will und muss ich aber auch eine Lanze für die vielen Landwirte brechen, die ihre Tiere artgerecht züchten und halten. Es gibt sie nämlich auch, die Bauern, die ihren Kühen Namen geben und deren Schweine sich im Schlamm suhlen dürfen. Und deren Meinung wird Herr Rukwied mit diesen Aussagen nicht vertreten haben. 

* Quelle: www.bauernverband.de

Immer noch Lust auf Billigfleisch vom Discounter? Werfen Sie doch einmal einen Blick auf die folgenden Bilder.

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